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Gesellschaft/Society,  Geschichte/History,  Kunst/Art

Die Benin Bronzes – Gebt sie zurück – Give them back!

Wir schreiben das Jahr 1897. Eine nigerianische Spezialeinheit fährt auf ihrem Kanonenboot “Edo” die Themse hinauf, landet in London an und überfällt die Hauptstadt. Das British Museum, der Buckingham Palast und der Tower werden geplündert. Unter der Beute befinden sich die Kronjuwelen, sämtliche Gemälde von William Turner, William Blake und Thomas Gainsborough. Anschließend werden sämtliche Gebäude zerstört und abgebrannt, das Diebesgut nach Lagos verschifft und versteigert. Bis heute weigert sich die Nigerianische Regierung, die Kunstgegenstände zurück zu geben.

The year is 1897. A Nigerian special forces unit sails up the Thames on its gunboat “Edo”, lands in London and raids the capital. The British Museum, Buckingham Palace and the Tower are looted. Among the booty are the Crown Jewels, all the paintings by William Turner, William Blake and Thomas Gainsborough. Subsequently, all the buildings were destroyed and burnt down, and the stolen goods were shipped to Lagos and auctioned off. To this day, the Nigerian government refuses to return the art objects…  (for english version please scroll down)

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Peter D. Tillman
Detail of a Benin bronze plaque
Girl with a cat around her neck. One of two Benin bronzes on display at the de Young. Foto:Pete Tillmann

Ach so, ein Mißverständnis.

Wir schreiben das Jahr 1897. Das britische Kolonialreich hat sich bereits große Teile Afrikas, nun auch Westafrika unter den Nagel gerissen. Auf dem Gebiet des heutigen Nigeria hat sich bis dato das Königreich Benin dem Zugriff der Kolonialisten entzogen. Das wird nun gewaltsam geändert. Ein Boot der “Strafexpedition” unter dem Kommando von Captain Herbert Walker landet an der westafrikanischen Küste, um die Hauptstadt des Benin-Reiches, Edo, dem heutigen Benin-City zu überfallen. In Edo herrschte zu der Zeit Oba (König) Ovonranwen über ein Reich, das schon seit dem 12. Jhd. bestand. Das Benin-Reich war übrigens die erste souveräne Nation auf dem Kontinent, die den Sklavenhandel offiziell verbot.

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Ovonramwen Nogbaisi with his wives, Queen Egbe (left) and Queen Aighobahi (right), c.1898 – 1913

Die  2000 Mann zählende Truppe überfällt die Stadt, zwingt den amtierenden König zu fliehen und raubt sämtliche Schätze. Worauf es die Beutejäger der britischen Krone besonders abgesehen haben: große Vorkommen an Elfenbein und die wertvollen, berühmten Benin Bronzes. Die künstlerisch hochwertigen Büsten, Figuren und Ornamente zählen zu den bedeutensten Kunstwerken Afrikas und haben einen unschätzbaren Wert.

Die Geschichte

Um den Raub moralisch zu rechtfertigen, machten die Eroberer auch vor Schauermärchen nicht halt: Ein Eroberer beschrieb in einem zeitgenössischen Bericht (der frei erfunden war), daß die Kunstwerke von angeblichen Menschenopfern blutgetränkt waren, man sogar Altare aus Menschenknochen vorgefunden hat. Aus damaliger (imperialer und rassistischer) Sicht waren die Kunstwerke auch zu kunstvoll und filigran, als daß es aus afrikanischer Handwerkskunst entsprungen sein kann. Es kann nur aus portugiesischer Handwerkskunst entstanden sein, so die damalige Einschätzung. Dabei wurden seit dem 15. Jahrhundert im Königreich Benin Bronzen gegossen, zumeist in Form von Reliefplatten und Kopfskulpturen.

In den Worten des Capt. Walker von 1897:

      “20. Februar:
119341825f887b00d2b49db079345115Alles von Wert, das wir im Palast des Königs und den umliegenden Häusern gefunden haben, wurde im ,Palaver House‘ zusammengetragen. (…) Viele Bronzefiguren und geschnitzte Elfenbeinzähne wurden gefunden. Zwei Stoßzähne und zwei Leopardenfiguren aus Elfenbein wurden für die Königin reserviert. Der Admiral und seine Leute waren sehr damit beschäftigt, Stücke zu ,sichern‘, daher bezweifle ich, dass viel für die kleineren Fische übrig bleibt, selbst wenn wir Träger finden würden, die die Stücke abtransportieren könnten. Das ganze Camp ist voller Beute.

21. Februar:
Den ganzen Morgen damit beschäftigt, Häuser niederzureißen.

23. Februar:
Mit Niederreißen verbracht. Harte Arbeit. “

Der Sieg über das Königreich Benin wurde 1897 begeistert gefeiert. Königin Victoria gratulierte der Royal Navy zum gelungenen Einsatz. Londoner Zeitungen brachten Sonderausgaben darüber, wie die britischen Truppen einem grausamen afrikanischen Königreich ein Ende bereitet hatten. Und es begann eine Odyssee von 3500 bis 4000 geraubten Objekten. Einige der schönsten Stücke gingen an die Queen, die meisten wurden nach Rückkehr der Truppen zur Finanzierung des Kriegs an Museen und Sammlungen in aller Welt verkauft. Viel von der Kriegsbeute behielten die Elitesoldaten selbst.

Die Forderung

Das Diebesgut in Benin-City bestand aus mehreren tausend Statuen und Figuren, an die 4000 Stück. Allesamt wurden sie nach dem Raubzug noch im selben Jahr in London versteigert. Cirka 500 davon kamen über diesen Weg an Museen in Deutschland. In den sogenannten Völkerkundemuseen wurden sie zur Schau gestellt. Die meisten davon sind im jetzt eröffneten Humboldt-Forum in Berlin gelagert. Das Humboldt-Forum ist in den rekonstruierten Stadtschloßbau der letzten Deutschen Kaiser integriert. Das gibt der Sache noch einmal eine besondere Note. War es doch das Kaiserreich unter Wilhelm II. , das den imperialen Anspruch auf Kolonien in Afrika erhob und selbst viele Beutestücke nach Deutschland brachte. Darunter sind sehr viele moralisch verwerfliche “Objekte” wie Schädel und Skelette von Herero und Nama aus dem damaligen Deutsch-Südwestafrika. Auch für diese Objekte gibt Rückgabeforderungen aus Namibia. Delegationen waren schon in Berlin und wurden unter unwürdigen Bedingungen abgewimmelt. Zu diesem Thema wird cultureafrica in einem eigenen Beitrag berichten.

In Bezug auf die Benin Bronzes gibt es nun aktuell mehr Dampf: Die Nigerianische Regierung hat unlängst die Forderung nach Rückgabe erneuert. Noch vor der digitalen Eröffnungsfeier des Humboldt-Forums am 16. Dezember machte Yusuf Tuggar, Nigerias Botschafter in Berlin, eine Rückgabeforderung aus dem vergangenen Jahr erstmals mit einer Twitter-Nachricht öffentlich:

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Foto: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg/Museum für Völkerkunde Hamburg

Der öffentliche Diskurs

Das Berliner Ethnologische Museum zählt zu den wichtigsten völkerkundlichen Einrichtungen vor der Humboldt-Eröffnung . Hier findet sich die zweitgrößte Sammlung an Benin-Objekten, etwa 550 Stück. Seit Januar 2017 ist das Museum wegen Umzugs geschlossen. Das 1873 gegründete Haus lag in Dahlem, und soll nun im neu aufgebauten Berliner Stadtschloss, im Humboldt-Forum, eröffnet werden. Eine halbe Milliarde Euro wurde ins Schloss investiert. Dort kümmern sich gerade einmal vier Angestellte um die Begutachtung der Beutekunst. Zweifel an der Aufrichtigkeit des Erforschens zwecks baldiger Rückführung wuchsen spätestens im Sommer 2017, als die französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy, die an der Technischen Universität lehrt, aus der Expertenkommission des Humboldt-Forums austrat, weil es eine Pro-Forma-Veranstaltung sei, der es an Transparenz, Teamgeist und Verantwortungsbewusstsein mangele.

Das sagt das Humboldtforum auf seiner Homepage:

“Bronze- und Elfenbeinreliefs aus dem Königreich Benin, Holzfiguren und Masken aus Kamerun, ästhetisch herausragende Skulpturen aus dem Kongo sowie mit Eisen- und Glasperlen geschmückte Lederkleidung aus Namibia gehören zu den bekanntesten und außergewöhnlichsten Werken aus Afrika in Berlin. Gleichzeitig verließen viele von ihnen den afrikanischen Kontinent als Folge kolonialer Eroberung und Herrschaft. Die Ausstellungen der Afrika-Sammlungen des Ethnologischen Museums im Humboldt Forum werfen drängende Fragen auf: nach den Gesellschaften in Afrika, aus denen die Artefakte stammen, nach den Bedingungen, unter denen sie gesammelt wurden, nach den Dilemmata, in denen sich die Akteure*innen in Afrika befanden, und nach der kooperativen Auseinandersetzung mit der Geschichte des Kolonialismus und seinen Auswirkungen bis in die Gegenwart.”

Das ist sehr moderat formuliert. Kein Wort von moralischer Verwerflichkeit und der Verantwortung für die Rückgabe. Kein Wort zur riesigen Leerstelle, die das Entreißen der Kunststücke dem kulturellen Gedächtnis der afrikanischen Nationen wie Nigeria, Kamerun und Namibia bereiten. Die öffentlichen Rufe nach Rückgabe werden nun im Zuge der Eröffnung des Humboldt-Forums auch in Deutschland lauter. Einige Medien berichten im Zuge der Eröffnung des Humboldtforums über den moralischen Dissens hinsichtlich der Nicht-Rückgabe. Selbst dem Satire-Magazin ZDF-Magazin Royale war es ein ausführliche Recherche und bissige Beiträge wert. Die Diskussion ist also aus den Fachkreisen raus und im aktuellen Kulturdiskurs, auch in den Regionalzeitungen, angekommen. Und das wird eine wichtige Wegmarke sein. Denn nur mit einer breiten Öffentlichkeit ist der eigentlich klare Sachverhalt in konkrete Rückgabe-Verträge zu gießen. Absichtserklärungen und langes Herauszögern wird nicht mehr helfen, wenn die Bundesrepublik international ihr Gesicht nicht verlieren will.

Nigeria handelt: Ein neues Museum für das Kulturerbe

Die Kulturpolitik in Sachen Rückführung von Kulturgütern fragwürdiger bis eindeutig unmoralischerHerkunft verwies sehr oft auf das Argument, daß ein Platz in deutschen und europäischen  Museen sehr viel besser für die Kunstwerke wäre als in Afrika. Da würden sie kaputt gehen oder gestohlen. Das ist jedoch kein Ansatz, der die verwundeten Seelen der afrikanischen Herkunftsländer befriedigt. Die Kunstwerke sollen zurück und in den meisten Fällen können sie das auch problemlos. Da machen sich die europäischen Museen verdächtig, wenn es ihnen nur um das Wohlergehen der Kunstobjekte geht. Die ursprungsländer haben längst den Wert der Kunstgegenstände für die nationale Identität erkannt und wollen ihr den gebührenden Platz einräumen.

In Nigera ist am Standort Benin City ein großes, kunstvoll konzipiertes Museum in Planung. Das von Star-Architekt David Adjaye geplante “Edo Museum of West African Art” nimmt Fahrt auf. Das Gebäude nimmt die historischen Vorlagen des Königspalasts in seine Konzeption auf. Auf den drei Etagen und verschiedenen Komplexen sollen mehrere hundert Ausstellungstücke, darunter die Benin Bronzes erstmals wieder dem Nigerianischen Publikum zugänglich gemacht werden. Gleichzeitig beginnt ein archäologisches Ausgrabungsprojekt in und um den alten Palaststandort. Britische Museen haben dafür schon Geld locker gemacht.

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Modell des neu geplanten Museums für Benin City. Adjaye Associates

In der New York Times spricht Architekt Adjaye von eine “Renaissance der afrikanischen Kultur”, die dieses Projekt mit anstößt. Dazu gehört für ihn auch eine Rückbesinnung auf die ursprünglichen Bedeutungsmuster der Kunstobjekte. Jahrhundertelang wurden sie im Zuge der Kolonisierung durch christliche, islamischen oder andren Religionen umgedeutet.

“I am not critizing those religions, but they kind of degraded the cultural heritage of the continent. So there is there is the relearning of the fundamental meaning of these objects. And that retraining justifies, for me, a rethinking of what a museum is on the continent. It’s not going to be a western model.”

Fazit

Es gibt ein neues und prächtiges Museum in Berlin. Im Humboldt-Forum wird Transparenz über die Herkunft und vor allem die Zukunft der vielen Objekte, auch der Benin Bronzes keine verbindlichen Aussagen gemacht. Über hundert Jahre nach dem gewaltsamen Entreißen der vielen Kunstgegenstände aus Westafrika ist auf deutscher Museumsseite wenig Einsicht eingekehrt, diese Kunstgegenstände den rechtmäßigen Besitzern in Nigeria zurück zu geben. Was hindert sie daran? Die Angst, bald vor einem leeren Haus zu stehen. Mit einer moralischen Niederlage sondergleichen. Denn andere (Kolonial-)Länder werden mit Rückgabeforderungen folgen.

Wie es auf dem “kleinen Dienstweg” geht zeigte der Nachfahre des Eroberers Walker, der Teile der Sammlung aus dem Privatbesitz ganz offiziell an den Oba von Benin zurückgab:

Eine Bronze-Glocke und den Ibis, der den Edo als Vogel der dunklen Vorsehung gilt. Walker wurde 2014 in Benin-City empfangen, mehr als 1000 Gäste jubelten ihm auf dem Gelände des Königspalastes zu, es wurde getanzt und gesungen. Der damals schon 93 Jahre alte König hielt eine emotionale Rede, ebenso der Gouverneur des Bundesstaates Edo. Am Ende fand sich Walker umringt von Menschen. „Alte und Junge, Männer und Frauen, alle wollten mich anfassen und mir danken. Das war für mich der bewegendste Moment.“

Nicht nur Berlin ist voll geraubter oder einfach ausgegrabener und mitgenommener Kunst. Sie stehen für die einzigartige Kunsthistorische Pracht in Berlin und anderswo. Aber die Herkunftsländer bleiben nicht mehr ruhig. Europa hatte hundert Jahhre seine Freude an den fremden Kunstobjekten. Nun ist es endlich Zeit, sie an die Besitzer zurück zu geben. Denn bis dahin wird es keine Ruhe geben. Maximale Transparenz hat das Humboldt-Forum versprochen, also: Hic Rhodos, Hic salta!  Give them Back!

Quellen: Wikipedia.Org, The New York Times, Der Tagesspiegel, FAZ.net

Hans Hofele

ENGLISH VERSION

 

The year is 1897. A Nigerian special forces unit sails up the Thames on its gunboat “Tiger”, lands in London and raids the capital. The British Museum, Buckingham Palace and the Tower are looted. Among the booty are the Crown Jewels, all the paintings by William Turner, William Blake and Thomas Gainsborough. Subsequently, all the buildings are destroyed and burned down, the stolen goods are shipped to Lagos and auctioned off. To this day, the Nigerian government refuses to return the art objects.

Ah, a misunderstanding.

It is 1897 and the British colonial empire has already taken over large parts of Africa, including West Africa. On the territory of today’s Nigeria, the Kingdom of Benin has so far eluded the colonialists’ grasp. This is now being changed by force. A boat of the “Punitive Expedition” under the command of Captain Herbert Walker lands on the West African coast to raid the capital of the Benin Empire, Edo, today’s Benin City. In Edo at the time Oba (King) Ovonranwen ruled over an empire that had existed since the 12th century. Incidentally, the Benin Empire was the first sovereign nation on the continent to officially ban the slave trade.

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Foto: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg/Museum für Völkerkunde Hamburg

The 2000-man force invades the city, forces the reigning king to flee and steals all the treasures. What the prey hunters of the British crown are especially after: large deposits of ivory and the valuable, famous Benin Bronzes. The artistically high-quality busts, figures and ornaments are among the most important works of art in Africa and have an inestimable value.

The Story

In order to justify the robbery morally, the conquerors did not stop at horror stories: A conqueror described in a contemporary report (which was fictitious) that the artworks of alleged human sacrifices were drenched in blood, one even found altars made of human bones. From the (imperial and racist) point of view of the time, the artwork was also too ornate and intricate to have originated from African craftsmanship. It could only have originated from Portuguese craftsmanship, was the assessment at the time. Thereby bronzes were cast in the Kingdom of Benin since the 15th century, mostly in the form of relief plates and head sculptures.119341825f887b00d2b49db079345115

In the words of Captain Walker of 1897:

“February 20:

Everything of value we found in the King’s palace and surrounding houses was collected at the ‘Palaver House’. (…) Many bronze figures and carved ivory teeth were found. Two ivory tusks and two leopard figurines were reserved for the Queen. The Admiral and his men were very busy ‘securing’ pieces, so I doubt there would be much left for the smaller fish even if we could find porters to take the pieces away. The whole camp is full of loot.”

February 21:
Busy all morning tearing down houses.

February 23:
Spent with tearing down. Hard work. ”

The victory over the Kingdom of Benin was enthusiastically celebrated in 1897. Queen Victoria congratulated the Royal Navy on the successful operation. London newspapers ran special editions on how British troops had put an end to a cruel African kingdom. And an odyssey of 3500 to 4000 looted objects began. Some of the finest pieces went to the Queen, but most were sold to museums and collections around the world after the troops returned to fund the war. Much of the spoils of war were kept by the elite soldiers themselves.

The Claim

The stolen goods in Benin City consisted of several thousand statues and figures, about 4000 pieces. All of them were auctioned in London in the same year after the robbery. About 500 of them were sold to museums in Germany. They were exhibited in the so-called ethnological museums. Most of them are stored in the now opened Humboldt Forum in Berlin. The Humboldt Forum is integrated into the reconstructed city palace of the last German emperors. This gives it a special touch. After all, it was the empire, especially under Wilhelm II. It was the empire, especially under Wilhelm II, that laid imperial claim to colonies in Africa and itself brought many spoils to Germany. Among them are many morally reprehensible “objects” such as skulls and skeletons of Herero and Nama from the then German Southwest Africa. There are also demands for the return of these objects from Namibia. Delegations have already been to Berlin and were turned away under undignified conditions. Cultureafrica will report on this topic in a separate article.

With regard to the Benin Bronzes, there is currently more steam: The Nigerian government has recently renewed the demand for restitution. Even before the digital opening ceremony of the Humboldt Forum on December 16, Yusuf Tuggar, Nigeria’s ambassador to Berlin, made a restitution demand from last year public for the first time with a Twitter message:

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The public discourse

The Berlin Ethnological Museum is one of the most important ethnological institutions before Humboldt opened . It houses the second largest collection of Benin objects, some 550 pieces. Since January 2017, the museum is closed for relocation. Founded in 1873, it was located in Dahlem, and is now scheduled to open in the newly rebuilt Berlin City Palace, in the Humboldt Forum. Half a billion euros have been invested in the palace. There, just four employees take care of the appraisal of the looted art. Doubts about the sincerity of the research for the purpose of early repatriation grew at the latest in the summer of 2017, when the French art historian Bénédicte Savoy, who teaches at the Technical University, resigned from the Humboldt Forum’s expert commission because it was a pro forma event that lacked transparency, team spirit and a sense of responsibility.

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Gedenkkopf einer Königinmutter ioyba, Nigeria, Königreich Benin, aus dem frühen 16. Jh_foto: binimgarten

The Humboldt Forum says on its homepage:

“Bronze and ivory reliefs from the Kingdom of Benin, wooden figures and masks from Cameroon, aesthetically outstanding sculptures from the Congo, and leather clothing decorated with iron and glass beads from Namibia are among the best-known and most extraordinary works from Africa in Berlin. At the same time, many of them left the African continent as a result of colonial conquest and domination. The exhibitions of the Ethnological Museum’s African collections in the Humboldt Forum raise pressing questions: about the societies in Africa from which the artifacts originated, about the conditions under which they were collected, about the dilemmas in which the actors* in Africa found themselves, and about the cooperative confrontation with the history of colonialism and its effects up to the present.”

That is very moderately worded. No word of moral turpitude and responsibility for restitution. Not a word about the huge void that the snatching of the art pieces is causing to the cultural memory of African nations like Nigeria, Cameroon and Namibia. Public calls for restitution are now growing louder in Germany in the wake of the opening of the Humboldt Forum. In the wake of the opening of the Humboldt Forum, some media are reporting on the moral dissent regarding non-restitution. Even the satirical magazine ZDF-Magazin Royale found it worthy of extensive research and biting articles. So the discussion has left the professional circles and arrived in the current cultural discourse. And that will be an important milestone. Because only with a broad public can the clear facts of the matter be translated into concrete restitution agreements. Declarations of intent and long delays will no longer help if the Federal Republic does not want to lose face internationally.

Nigeria acts: A new museum for cultural heritage

The cultural policy in the matter of repatriation of cultural objects of questionable to clearly immoral origin very often referred to the argument that a place in German and European museums would be much better for the works of art than in Africa. There they would get broken or stolen. But this is not an approach that satisfies the wounded souls of the African countries of origin. The artworks should go back and in most cases they can do so without any problems. After all, it is not the task of European museums to take care of the welfare of stolen artworks. The countries of origin have long since recognized the value of the art objects for the national identity and want to give them their due place.

In Nigera, a large, artfully designed museum is being planned at the Benin_City site. The “Edo Museum of West African Art” planned by star architect David Adjaye is gaining momentum. The building incorporates the historical templates of the royal palace into its conception. On the three floors and various complexes, several hundred exhibits, including the Benin Bronzes, are to be made accessible to the Nigerian public again for the first time. At the same time, an archaeological excavation project is beginning in and around the old palace site. British museums have already ponied up money for the project.

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Adjaye Associates

In the New York Times, architect Adjaye speaks of a “renaissance of African culture” that this project is helping to kick off. For him, this also includes a return to the original patterns of meaning of the art objects. For centuries, they were reinterpreted in the course of colonization by Christian, Islamic or other religions.

“I am not criticizing those religions, but they kind of degraded the cultural heritage of the continent. So there is the retraining of the fundamental meaning of these objects. And that retraining justifies, for me, a rethinking of what a museum is on the continent. It’s not going to be a western model.”Conclusion

There is a new and magnificent museum in Berlin. In the Humboldt Forum transparency about the origin and especially the future of the many objects, including the Benin Bronzes no binding statements. More than a hundred years after the violent snatching of the many art objects from West Africa, there is little understanding on the part of German museums to return these art objects to their rightful owners in Nigeria. What prevents them from doing so? The fear of soon standing in front of an empty house. With a moral defeat unparalleled. Because other (colonial) countries will follow.

How it goes showed the descendant of the conqueror Walker, who returned parts of the collection from the private property quite officially to the Oba of Benin:

A bronze bell and the ibis, considered by the Edo as a bird of dark providence. Walker was received in Benin City in 2014, with more than 1,000 guests cheering him on the grounds of the royal palace, dancing and singing. The king, then already 93 years old, gave an emotional speech, as did the governor of Edo State. In the end, Walker found himself surrounded by people. “Old and young, men and women, everyone wanted to touch me and thank me. That was the most moving moment for me.”

Berlin is not the only city full of looted art, or art that has simply been dug up and taken away. They represent the unique art historical splendor in Berlin and elsewhere. But the countries of origin no longer remain quiet. Europe has enjoyed the foreign art objects for a hundred years. Now it is finally time to return them to their owners. Because until then there will be no peace. So: Hic Rhodos, Hic salta! Give them Back!

Hans Hofele

Sources: Wikipedia.Org, The New York Times, Der Tagesspiegel, FAZ.net

 

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Die afrikanische Sicht:

Das fogende Essay stammt von Annalisa Bolin und erschien auf africasacountry.com

Das Essay

In dem Film “Black Panther” fragt der Bösewicht Eric Killmonger, gespielt von Michael B. Jordan, einen britischen Museumskurator, der afrikanische Kunstwerke betrachtet: “Wie, glauben Sie, sind Ihre Vorfahren daran gekommen? Glauben Sie, dass sie einen fairen Preis bezahlt haben? Oder haben sie sie genommen, so wie sie alles andere genommen haben?” Killmonger erinnert uns daran, dass Afrika eine enorme Menge an kulturellen Artefakten abgenommen wurde. Gegenstände, die durch Diebstahl, Nötigung und Plünderung sowie zum Zweck der Forschung zur Unterstützung des wissenschaftlichen Rassismus erbeutet wurden, werden zunehmend als unrechtmäßig angeeignet und zur Rückgabe fällig erkannt. Die Rückführungsdebatte ist inzwischen so öffentlichkeitswirksam, dass sie zusammen mit Büchern von Wissenschaftlern, wissenschaftlichen Zeitschriften und populären Websites zu einem populären Film geworden ist.

Die Benin-Bronzen sind ein bekannter Fall. Die Skulpturen, die 1897 von den britischen Streitkräften aus Benin-Stadt geplündert wurden, befinden sich heute im Besitz von Institutionen und privaten Eigentümern auf der ganzen Welt und kehren trotz der offensichtlichen Art und Weise, in der sie gestohlen wurden, nur langsam und stückweise zurück. Das British Museum, das eine große Sammlung besitzt, widersetzt sich weiterhin ihrer Rückkehr. Gleichzeitig bleibt die Rückführung in einigen Räumen umstritten, gewinnt aber auch an Boden. Institutionen wie das Smithsonian in den USA, niederländische Kulturerbe-Institutionen sowie die deutsche und französische Regierung haben sich verpflichtet, zumindest einige Arten von Kulturgütern zurückzugeben. Auch wenn diese Bemühungen ins Stocken geraten oder halbherzig sind, ist die Tatsache, dass Staaten und Institutionen sich jetzt in der Pflicht sehen, ihre Rückführungsbemühungen öffentlich bekannt zu geben, ein positives Zeichen für die Befürworter des Prozesses, das eine breitere Verschiebung zu seinen Gunsten widerspiegelt.

Doch die Rückführungen selbst sind nur ein Teil der Geschichte. Wie geht es weiter?

Diese Frage verlangt von uns, über die Rolle kultureller Artefakte in den heutigen Gesellschaften nachzudenken. Der senegalesische Gelehrte Felwine Sarr und sein französisches Pendant Bénédicte Savoyen, die Verfasser des von der französischen Regierung in Auftrag gegebenen Restitutionsberichts, sagen, dass die afrikanischen Nationen vor einer doppelten Aufgabe stehen: erstens, die Erinnerung durch die Rückforderung des Erbes wiederherzustellen, und zweitens, einen Prozess der “Selbsterfindung”, der die zurückgewonnenen Artefakte mit den heutigen Gesellschaften und ihren Herausforderungen verbindet.

Der Vorschlag von Sarr und Savoyen ist etwas, das von Geschichts- und Kulturerbeforschern seit langem als die Konstruktion einer “nutzbaren Vergangenheit” für eine Nation bezeichnet wird, etwas, das mobilisiert werden kann, um die Anliegen der Gegenwart anzugehen. Der erste Präsident von Botswana, Seretse Khama, bemerkte, wie wichtig dieses Projekt für die neuen unabhängigen afrikanischen Länder sei: “Wir sollten unsere eigenen Geschichtsbücher schreiben, um zu beweisen, dass wir eine Vergangenheit hatten, und dass es eine Vergangenheit war, die es genauso wert war, geschrieben zu werden und darüber zu lernen wie jede andere. Wir müssen dies aus dem einfachen Grund tun, dass eine Nation ohne Vergangenheit eine verlorene Nation ist, und ein Volk ohne Vergangenheit ein Volk ohne Seele ist.

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Foto: Carla_R1
The display of the African Benin bronzes seen in British Museum.

Das greifbare kulturelle Erbe ist eine Materialisierung der Vergangenheit. Es macht Geschichte sichtbar, fühlbar und für die Menschen von heute zugänglich. Wichtig ist, dass das kulturelle Erbe keine statische oder stagnierende Sammlung von Objekten ist, sondern eine lebendige Konstruktion. Der Kulturerbeforscher Rodney Harrison drückt es so aus: “Kulturerbe ist kein passiver Prozess der bloßen Bewahrung von Dingen aus der Vergangenheit, die übrig geblieben sind, sondern ein aktiver Prozess des Zusammenfügens einer Reihe von Objekten, Orten und Praktiken, die wir als Spiegel der Gegenwart hochhalten, verbunden mit einem bestimmten Satz von Werten, die wir mit in die Zukunft nehmen wollen. Die Rückgabe kultureller Artefakte liefert Objekte, um die sich das, was Sarr und Savoyen das “Projekt für die Zukunft” nennen, zusammenfügen kann.

Wie könnte dieses Projekt für die Zukunft aussehen?

Einige Ergebnisse der Repatriierung sind bereits sichtbar: In Südafrika sorgte die Rückführung der Leichen eines Ehepaares San für die Schließung ihrer Familien und brachte das Dekolonialprojekt voran. Andere Länder liefern nützliche parallele Beispiele. In den USA hat der Cherokee-Anthropologe Russell Thornton die Rolle der Rückkehr bei der Heilung des kulturellen Traumas der indianischen Gemeinschaften aufgezeigt. Wir können auch einen Blick auf die Art und Weise werfen, in der afrikanische Nationen gegenwärtig das Erbe im Interesse gegenwärtiger und zukünftiger Gesellschaften nutzen. Kulturerbestätten werden durch die Aufnahme in die Welterbeliste für die wirtschaftliche Entwicklung und Anerkennung genutzt, während Gemeinschaften durch die Archäologie von Grund auf mit ihrer Vergangenheit in Verbindung gebracht werden können.

Solche Beispiele zeigen, dass afrikanische Nationen bereits ihr eigenes Erbe verwalten und es gut verwalten. Eines der Argumente gegen die Repatriierung ist, dass afrikanische Länder nicht über die Kapazitäten verfügen, sich angemessen um zerbrechliche Gegenstände zu kümmern. Doch beeindruckende Institutionen wie das Museum der schwarzen Zivilisationen in Dakar widerlegen diese Behauptung. (In der Tat sollte der globale Norden darüber nachdenken, ob sein eigener Profit aus dem kolonialen Diebstahl von Kulturgütern eine ethische Verpflichtung mit sich bringt, durch materielle Unterstützung für die Bereitstellung von Ressourcen und die Ausbildung afrikanischer Kulturerbe-Institutionen Wiedergutmachung zu leisten).

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“Benin Bronzes 2” by Son of Groucho is licensed under CC BY 2.0

Was Afrika fehlt, ist nicht die Fähigkeit, das Erbe zu verwalten, sondern das Erbe selbst: Das von der Benin Dialogue Group geplante Königliche Museum für verstreutes Erbe wird ein Heim für repatriierte Objekte schaffen und nur auf die tatsächliche Rückgabe der 1897 geraubten Gegenstände warten. Gestohlene Artefakte können in Nationen zurückkehren, die mehr als fähig sind, sie zu pflegen und für die Zukunft zu nutzen.

Nach der Repatriierung

stellt sich für die afrikanischen Länder also die nächste Frage nach der Zukunft, die sie durch das Erbe gestalten wollen, einschließlich des Erbes, das sie jetzt zurückfordern. Während meiner Recherchen im staatlichen ruandischen Kulturerbe-Sektor traf ich Regierungsangestellte, die nach Wegen suchten, das Erbe zu nutzen. In einem Land, das vom Streben nach Entwicklung eingenommen wird, untersuchten diese Praktiker, wie das Erbe, wie mir einer sagte, zu “der Zukunft, die wir wollen” beitragen könnte. Das bedeutete, den Ruandern durch Museen und öffentliche Geschichte Zeugnis von einer nutzbaren Vergangenheit zu geben, auf die sie stolz sein konnten – eine Vergangenheit, die den durch den Kolonialismus entstandenen ethnischen Spaltungen entgegenwirken würde. Das Erbe war nicht nur eine Instanziierung der Geschichte, noch war es eine Sammlung unbelebter Objekte: Es war das Projekt, eine neue Zukunft für Ruanda zu schaffen.

Die Diskussion über die Rückführung darf sich nicht auf einfache Rückführungen beschränken, denn diese sind nicht der Endpunkt des Prozesses. Sie sind nur der Anfang eines neuen Prozesses: die Mobilisierung des Erbes als materielle Grundlage für den Aufbau eines Verständnisses der Vergangenheit, das für die Gegenwart und Zukunft von Bedeutung ist. Repatriierung ist zum Teil die (wenn auch begrenzte) Wiedergutmachung historischen Unrechts durch die Anerkennung kolonialen Unrechts und die Rückgabe gestohlenen Erbes. Indem sie jedoch neue Erzählungen ermöglicht, die auf der materiellen Vergangenheit basieren und auch auf die Bedürfnisse der Gegenwart eingehen, eröffnet die Repatriierung neue Möglichkeiten für die Zukunft, die die afrikanischen Nationen für sich selbst gestalten werden.

 

Annalisa Bolin

ist Anthropologische Archäologin am UNESCO-Lehrstuhl für die Zukunft des Kulturerbes an der Linnaeus-Universität.

Annalisa Bolin is an anthropological archaeologist in Linnaeus University’s UNESCO Chair on Heritage Futures.

 

Dieser Beitrag erschien am 2.12. auf africasacountry.com auf Englisch.

https://africasacountry.com/2020/12/after-repatriation-what-next

 

 

Hans Hofele, M. A., studierte Theater/Filmwissenschaften, Politik und Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum. Er arbeitet beim Öffentlich Rechtlichen Rundfunk in Frankfurt am Main.

2 Kommentare

  • henrysin89

    Die Kunstschätze müssen zurück, das scheint ziemlich klar. Wie das alles gehen soll, ist mir nicht klar, aber daß etwas geschehen muss, nach all dieser Zeit, das ist mir klar. Meiner Meinung nach versteckt sich Deutschland hinter Wissenschaft und Abkommen. Das dauert ihr aber alles auch zu lange. Die Forderungen aus Nigeria sind mehr als berechtigt.

  • Karl Bernd Buchholz

    Die Bronzen sollten auf jeden Fall und auch sehr bald nach Nigeria zurückkehren – innerhalb eines nigerianisch – europäischen Forschungsprojektes ließen sich die Herstellungsverfahren untersuchen und auf dieser Grundlage exakte Kopien dieser Skulpturen anfertigen, die dann z.B. auch im Humboldt-Forum dauerhaft ausgestellt werden können. Der Verlust an Authentizität sollte im Hinblick auf das Gebäude, das diese Skulpturen dann beherbergen wird, nicht allzu sehr beklagt werden.

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