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Popkultur/Pop culture

Afrikas Popstars gehen Viral – Diamond Platnumz knackt die Milliarde

Screenshot 2020 08 19 Wasafi
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von Hans Hofele

Im Juni diesen Jahres war es soweit: da wurde die eine Milliarde geknackt. Der aus Tanzania stammende Rap und Flava Star Diamond Platnumz erreichte erstmals eine Gesamtzahl an YouTube-Views von über einer Milliarde. Damit ist er einer der erfolgreichsten Popstars in Subsahara-Afrika.

Ein Rekord

Zum Rekord überreichte ihm sein Musikproduzent eine Torte im YouTube Look und ließ das Ereignis auf Instagram verkünden. Denn er ist damit der erste Musiker in Schwarzafrika, der mit einem YouTube Channel diese Anzahl erreichte. Dass Diamond Platnumz in Europa (noch) kaum bekannt ist, ist erst mal Nebensache. Seine homebase in Ostafrika ist hingegen im Bongo Flava Fieber – eine Musikrichtung, die er populär machte (Portrait auf africawow folgt). Mit spektakulären Tanzvideos teilweise auch recht anzüglichen Inhalten schafft er es in die Öffentlichkeit und die Smartphones der Menschen.

In Tanzania haben 43% der rund 55 Millionen Einwohner Zugang zum Internet. Die meisten über Handy. Doch, ist Diamond Platnumz ein Einzelfall und: was ist eigentlich virale Bekanntheit oder so eine Milliarde Views wert?

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Nicht einfach zu messen, solch ein Wert. Denn Platnumz hat mehr Follower auf Instagram (über 9 Mio.) als Abonnenten auf YouTube (über 3 Mio.) Der Musikkenner und DJ Host auf BBCs „This is Africa“, DJ Edu schätzt es folgendermaßen ein:

„Instagram ist mehr der Influencer Channel, das Geld wird indirekt verdient. Dort wirst du aber bekannt. Im von sehr jungen Usern benutzten TIkTok hingegen ziehen sich die Musikstars die Kundschaft von morgen. Und machen durch das Copyright-freie Verwenden von 15sek Clips die Musik bekannt. Gerade geschehen mit Platnumz letztem Hit „Quarantine“. Viele schauen sich dann auf YouTube den ganzen Song an. Dort wird Geld durch platzierte Werbung gemacht. Für eine Million Views gibt es 3000 USD, bei einer Milliarde also 3 Mio. USD. “

Und was machen die anderen afrikanischen Stars?

Es gibt einige nordafrikanische Musikstars, die aufgrund iherer Verbreitung in der gesamten arabischen Welt deutlich vor Diamond Platnumz liegen.

Zahlen bitte!

In Subsahara-Afrika misst sich Diamond Platnumz hauptsächlich mit den Afrobeatstars aus Westafrika:

P Square (Nigeria) – 810 Millionen
StarBoy TV (AKA Wizkid) – 802 Millionen

Davido (Nigeria) – 618 Millionen
Flavour (Nigeria) – 617 Millionen
Tekno (Nigeria) – 574 Millionen
Burna Boy (Nigeria) – 507 Millionen

Magic System (Elfenbeinküste) 477 Millionen

Davidos und Burna Boys Zahlen sind besonders interessant, denn sie sind erst seit 2018 bei YouTube. Diamond Platnumz dagegen schon seit 2011.

Megastar WizKidz erreichte durch die  Zusammenarbeit mit dem kanadischen Rapper Drake einen Hit, der 1.8 Milliarden Mal gestreamt wurde – allerdings nicht auf YouTube.

Die weiblichen Stars

Die weiblichen Musikstars aus Afrika, Yemi Alade (Nigeria) haben 435 Mio. Views, Tiwa Savage (Nigeria) 239 Mio. Dazu DJ Edu:

„Es ist für weibliche Musikerinnen ungleich schwerer. Die Musikindustrie ist männlich dominiert. Bis vor kurzem wurden weibliche Musikerinnenn kaum für große Konzerte gebucht. Die braucht es aber um eine große Anhängerschaft auf zu bauen.“

Yemi Alade 2018 bynot23 cc4 0 licence
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Es geht auch ohne Pop: Eine der erfolgreichsten weiblichen Musikerinnen ist die nigerianische Gospelsängerin Sinach. Sie ist international auf Tour und hat die Christ Embassy im Rücken – treue Follower und 472 Mio. Views.

Wie ist der internationale Vergleich?

Afrikanische MusikerInnen, die nach Europa oder USA zogen, generieren ebenfalls hohe Klickzahlen. Maitre Gims , der in Paris lebt mit über 1.5 Mrd, die in Mali geborene Sängerin Aya Nakamura (1,7 Mrd) oder Akon, der Rapper aus dem Senegal schlägt alle mit über 3.5 Milliarden Views.

Zum Vergleich: In Deutschland führt Rammstein mit 5 Mio. Abos und 2.7 Mrd. Views die Musikerliste. Gefolgt von Bushido mit 1.3 Mrd Views.

Amerikanische Popstars stellen mal wieder alles in den Schatten. Allen voran Drake mit mehr mehr als 7 Milliarden Views auf YouTube und Beyoncé, die letztes Jahr mit afrikanischen Künstlern am Lion Kings arbeitete (12 Milliarden Views). Wäre noch der König der Views, Justin Bieber mit sage und schreibe 21.6 Mrd Views.

Auch das geht: Einzelne Musikstücke wie „despacito“ von Luis Fonsi haben fast 7 Mrd Views – Rekord!

Das hat Diamond Platnumz lange nicht erreicht. Dennoch ist sein Erfolg ein Fingerzeig in die Zukunft. Es braucht nicht immer große Plattenfirmen: Entertainment und Originalität Made in Africa kommt an. Mit digitalen Plattformen wird es auch in Zukunft große Überraschungen geben. Auf dem Kontinent und immer mehr auch außerhalb.

Quellen für die Zahlen:  bbc.com, wikipedia, you tube

2 Kommentare

  • jeckeKÖ

    Ich bin erstaunt, daß ich fast keinen dieser Popstars kenne. Sollte ich mal ändern. Obwohl nicht alles nach unserem Geschmack ist. Muß ja auch nicht.

    • Hans

      Auch deswegen erscheinen ja die Beiträge, damit mehr von diesen Künstlerinnen bekannt wird. Zugegeben, nicht alle treffen meinen Geschmack. Aber das ist ja nochmal eine andere Sache…

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