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Popkultur/Pop culture

Girls, don’t be afraid! Star DJ Kampire aus Uganda is back

 

kampire 2019
photo by_sophie garcia

Von Hans_Hofele

Sie legt auf der halben Welt auf und ist ein Vorbild in ihrer Heimat Uganda. Dj Kampire, alias Kampire Bahana aus der Hauptstadt Kampala. Seit über sechs Jahren legt sie auf, mixed, remixed auch eigene Tunes. Damit ist sie nicht nur in Uganda erfolgreich. Doch dort hat sie den schwierigen Sprung vom Hobby zum Profi-Dj gemeistert. Angefangen hat alles auf dem in Afrika bekannten Nyege Nyege Music Festival in Kampala. Dort war sie Mitbegründerin und ist nun Teil des Kollektivs. Das Nyege Nyege Festival hat sich weltweit einen Namen gemacht, es gilt auch im Westen als Geheimtipp, dort abzuhängen. Noch sind Besucher von dort aber die Ausnahme. Kampire sieht das durchaus auch kritisch, dass das Festival als „Entdeckung“ gehypet wird. Denn in erster Linie ist es ein ostafrikanisches Musikfestival für Ostafrika und Kampala ist der Szenehotspot mit einem ausgeprägten Nachtleben.

Das Debüt von Kampire kam spontan: Sie sollte für jemanden einspringen. Im Gespräch mit Daniel Dylan Wray sagte sie dazu:

„Ich habe mit meinem Laptop aufgelegt, konnte nicht mal die Tracks in einander mischen. Also eins nacheinander. Ich wusste nur, spiel die Bass Sounds die großartig zum Tanzen sind. Die Leute waren jedenfalls so begeistert, daß ich einfach bis heute weitergemacht habe. „

Die Karriere verlief steil nach oben: Beim niederländischen Rewired Festival oder beim weltbekannten Sonar Festival in Barcelona, in New York beim RB Festival ist sie mittlerweile einbekannter Act. Auch in Asien legt sie auf. Es ist ein polyrhytmischer Stil, der ostafrikanische Stilmittel mit westlichen Technobeats und House Grooves mischt.

“A lot of the representation of African music is from white dudes in tropical shirts – God bless them! It’s really important that Africans get to speak for themselves and represent their own music” – Kampire

kampire photo by dazed
kampire_photo by dazed

Einflüsse

Im Interview mit Audrey Brisack (africalia.be) sieht sie ihre Einflüsse aus ganz Afrika kommen. In der Familie spielte Musik eine große Rolle. Von ihren Elternhat sie die Liebe zu Musikern wie Soukous aus dem Kongo aber auch des westafrikanischen Stils des Coupé – Decalé geerbt. Einen Anfang als weibliche DJ zumachen, das war die größte Schwierigkeit:

„Eine Eintrittsbarriere für Frauen ist, dass wir erwarten, sofort perfekt zu sein. Wir stellen diese Erwartung an uns selbst, was es uns erschwert, Maßnahmen zu ergreifen. Jungen dürfen versuchen und scheitern, am Anfang an etwas zu scheitern und besser zu werden, was notwendig ist, um in allem gut zu sein, während Mädchen etwas mehr Angst davor haben, beim ersten Mal nicht perfekt zu sein. Wenn ich spiele, kommen viele Frauen zu mir und sagen: „Ich wollte schon immer ein DJ sein“. Und ich sage ihnen: „Warum tun Sie es nicht einfach? Wenn man es aus Spaß macht, weiß man nie, was passiert. Ich würde also definitiv sagen: „Mädchen habt keine Angst!“

Aber Kampire ist viel mehr: Künstlerin, Schauspielerin, feministische Autorin ist sie auch.

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photo by_Darlyne Komukama

Kampire ist Mitbegründerin der Kunstinstallation “Salooni”, die afrikanische Haarmunst als Wissenschaft, als Kultur titel und Kunst erkl@rt. Mit artiytischer wie traditioneller Haarkunst tourt sie auf verschiedenen Kunstfestivals: La Ba Arts Festival, Uganda, Chale Wote Street Art Festival, Ghana, East African Soul Train (E.A.S.T) residency, Kenya, Africa Utopia, London, Kigali, Rwanda, Women’s day, Burkina Faso and N’GOLÁ Biennial, São Tomé e Príncipe.

          „I like it, when it’s sweaty and you are in to it.“

Darlyne und Kampire, zwei Kernmitglieder des Nyege Nyege Kollektivs, sammeln 2021 Spenden für den Bau eines neuen Zentrums für zeitgenössische Kunst in Kampala. Im Rahmen eines Crowdfunding-Projekts von 32° East, einer lokalen gemeinnützigen Organisation, hat das Duo DJ-Sets in Ugandas Hauptstadt gespielt. Die Einrichtung benötigt 200.000 Dollar für den Bau eines Zentrums mit einer öffentlichen Galerie, Künstlerateliers, einem Lernzentrum und einer Bibliothek mit kostenlosem Computerzugang sowie einem Café und Geschäften. Diese Einrichtungen „werden den Kunstschaffenden fruchtbare Bedingungen bieten und dem Publikum völlig neue Möglichkeiten in Bezug auf Kunst, Architektur und Nachhaltigkeit eröffnen“, so die Organisation.

Kampire 2photo by dazed

Die LBGTQ+ Aktivistin

Im Nyege Nyege Festival samt Record Label ist sie schon länger Teil des Kollektivs. Es ist eine Besonderheit, denn die Künstler verwalten das Festival und Label selbst. 2019 stand das Festival kurz vor dem Verbot. Das Festival, das sich auch als Ort der LBGTQ+  Community sieht, war der Regierung ein Dorn im Auge. In einem Land, das Homosexualität bestraft, nicht wirklich verwunderlich. Kampire bezeichnet sich selbst als queer. Sie setzt sich aktiv in ihrem Land für queer und gay communities ein, organisiert sogenannte safe spaces für Frauen, damit diese Orte finden, wo sie sich begegnen und feiern können. Keine ganz ungefährliche Unternehmung. Es müssen besondere Vorkehrungen getroffen werden damit sie stattfinden können.

Es gehört für Kampire aber auch zum Wesen Ugandas, daß der eigentlich liberale Grundgedanke der Menschen durch diese Aktionen gefördert wird. Es ist eben nicht alles nur schwarz und weiß. Und Kampala immerhin die Partyhochburg Ostafrikas. Die Feiernden kommen von weit her, weil es hier eine große Partyszene und kaum Beschränkungen gibt. Wer hätte das gedacht. In einem Land, das noch vor ein paar Jahren vor allem durch nicht enden wollende Bürgerkriege bekannt war.

DJ Kampire hat sicher einen Anteil daran, dass Uganda und Kampala mittlerweile ein anderes Bild vermitteln.

Im Interview mit africalia.be sieht sie auch eine wachsende Diversifizierung der ugandischen Kunst-und Musikszene:

„Es gibt mehr Künstler und Organisatoren, mehr merkwürdige Ereignisse. Heutzutage bekommen wir etwas mehr von den weniger gängigen Dingen – seltsame Kunstausstellungen, Underground-Musik, Kulturaustausch mit Untergrund-Künstlern – die die ugandische Szene ernähren. Ich denke, dies ist wichtig für das Wachstum jeder Kulturindustrie, weil es bedeutet, dass es mehr Möglichkeiten und mehr Wettbewerb gibt. Das zwingt jeden dazu, sein Handwerk besser zu beherrschen und nicht nur bekannt zu werden, weil man zum ersten Mal etwas tut.“

Trotz ihres großen Erfolgs kann sich Kampire Bahana, wie sie eigentlich heißt, ein Leben außerhalb Afrikas nicht vorstellen. „Du mußt unterwegs sein um das nach Hause kommen schätzen zu lernen“. In ihrer Heimat Uganda und ganz Ostafrika hören es die Menschen bestimmt Genugtuung. Wenn auch die Festivals 2020 größtenteils ausgefallen sind beziehungsweise wurden gestreamt, jetzt legt sie wieder auf.

copyright: cultureafrica2021

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