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Popkultur/Pop culture

Girls, don’t be afraid! Star DJ Kampire aus Uganda

 

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Foto by Rene passet, flickr

Sie legt auf der halben Welt auf und ist ein Vorbild in ihrer Heimat Uganda. Dj Kampire aus der Hauptstadt Kampala. Seit über fünf Jahren legt sie auf, mixed, remixed auch eigene Tunes. Damit ist sie nicht nur in Uganda erfolgreich. Doch dort hat sie den schwierigen Sprung vom Hobby zum Profi-Dj gemeistert. Angefangen hat alles auf dem in Afrika bekannten Nyege Nyege Music Festival in Kampala. Es ist mittlerweile auch im Westen ein Begriff. Noch sind Besucher von dort aber die Ausnahme. Dort dürfte sie also vor Jahren ihr Debüt als DJ geben. Sie sollte für jemanden einspringen. Im Gespräch mit Daniel Dylan Wray sagte sie dazu: “Ich habe mit meinem Laptop aufgelegt, konnte nicht mal die Tracks in einander mischen. Also eins nacheinander. Ich wusste nur, spiel die Bass Sounds die großartig zum Tanzen sind. Die Leute waren jedenfalls so begeistert, daß ich einfach bis heute weitergemacht habe. “

Rewired/Sonar

Beim niederländischen Rewired Festival oder beim weltbekannten Sonar Festival in Barcelona, in New York beim RB Festival ist sie mittlerweile einbekannter Act. Auch in Asien legt sie auf. Nur Corona macht ihr gerade einen Strich. Es ist ein polyrhytmischer Stil, der ostafrikanische Stilmittel mit westlichen Technobeats und House Grooves mischt.

Einflüsse

Im Interview mit Audrey Brisack (africalia.be) sieht sie ihre Einflüsse aus ganz Afrika kommen. In der Familie spielte Musik eine große Rolle. Von ihren Elternhat sie die Liebe zu Musikern wie Soukous aus dem Kongo aber auch des westafrikanischen Stils des Coupé – Decalé geerbt. Einen Anfang als weibliche DJ zumachen, das ist die größte Schwierigkeit:

“Eine Eintrittsbarriere für Frauen ist, dass wir erwarten, sofort perfekt zu sein. Wir stellen diese Erwartung an uns selbst, was es uns erschwert, Maßnahmen zu ergreifen. Jungen dürfen versuchen und scheitern, am Anfang an etwas zu scheitern und besser zu werden, was notwendig ist, um in allem gut zu sein, während Mädchen etwas mehr Angst davor haben, beim ersten Mal nicht perfekt zu sein. Wenn ich spiele, kommen viele Frauen zu mir und sagen: “Ich wollte schon immer ein DJ sein. Und ich sage ihnen: “Warum tun Sie es nicht einfach? Wenn man es aus Spaß macht, weiß man nie, was passiert. Ich würde also definitiv sagen: “Mädchen habt keine Angst!”

Sonar Festival by Oh Barcelona.com is licensed under CC BY 2.0
“Sonar Festival” by Oh-Barcelona.com is licensed under CC BY 2.0

Die LBGTQ+ Aktivistin

Im Nyege Nyege Festival samt Record Label ist sie schon länger Teil des Kollektivs. Es ist eine Besonderheit, denn die Künstler verwalten das Festival und Label selbst. 2019 stand das Festival kurz vor dem Verbot. Das Festival, das sich auch als Ort der LBGTQ+  Community sieht, war der Regierung ein Dorn im Auge. In einem Land, das Homosexualität bestraft, nicht wirklich verwunderlich. Kampire bezeichnet sich selbst als queer. Sie setzt sich aktiv in ihrem Land für queer und gay communities ein, organisiert sogenannte safe spaces für Frauen, damit diese Orte finden, wo sie sich begegnen und feiern können. Keine ganz ungefährliche Unternehmung. Es müssen besondere Vorkehrungen getroffen werden damit sie stattfinden können.

Es gehört für Kampire aber auch zum Wesen Ugandas, daß der eigentlich liberale Grundgedanke der Menschen durch diese Aktionen gefördert wird. Es ist eben nicht alles nur schwarz und weiß. Und Kampala immerhin die Partyhochburg Ostafrikas. Die Feiernden kommen von weit her, weil es hier eine große Partyszene und kaum Beschränkungen gibt. Wer hätte das gedacht. In einem Land, das noch vor ein paar Jahren vor allem durch nicht enden wollende Bürgerkriege bekannt war.

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Foto by Rene Passet,
Kampire, flickr

DJ Kampire hat sicher einen Anteil daran, dass Uganda und Kampala mittlerweile ein anderes Bild vermitteln.

Im Interview mit africalia.be sieht sie auch eine wachsende Diversifizierung der ugandischen Kunst-und Musikszene:

“Es gibt mehr Künstler und Organisatoren, mehr merkwürdige Ereignisse. Heutzutage bekommen wir etwas mehr von den weniger gängigen Dingen – seltsame Kunstausstellungen, Underground-Musik, Kulturaustausch mit Untergrund-Künstlern – die die ugandische Szene ernähren. Ich denke, dies ist wichtig für das Wachstum jeder Kulturindustrie, weil es bedeutet, dass es mehr Möglichkeiten und mehr Wettbewerb gibt. Das zwingt jeden dazu, sein Handwerk besser zu beherrschen und nicht nur bekannt zu werden, weil man zum ersten Mal etwas tut.”

Trotz ihres großen Erfolgs kann sich Kampire Bahana, wie sie eigentlich heißt, ein Leben außerhalb Afrikas nicht vorstellen. “Du mußt unterwegs sein um das nach Hause kommen schätzen zu lernen”. In ihrer Heimat Uganda und ganz Ostafrika hören es die Menschen bestimmt Genugtuung. Wenn auch die Festivals 2020 größtenteils ausfallen, sie wird bald wieder auflegen.

“I like it, when it’s sweaty and you are in to it.”

Nach Corona wieder.

Hans Hofele

Hans Hofele, M. A., studierte Theater/Filmwissenschaften, Politik und Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum. Er arbeitet beim Öffentlich Rechtlichen Rundfunk in Frankfurt am Main.

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