Mit anderen Worten_In other worlds: African Book Festival Berlin 2025_ Deutsch/English
Mit anderen Worten_In other worlds: African Book Festival Berlin 2025

von/by Hans Hofele
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Wenn sich der Sommer in Berlin auf dem Höhepunkt befindet, strömen südlich des Alexanderplatzes unzählige Literaturbegeisterte in die Alte Münze. Dann ist wieder African Book Festival. Seit 2018 findet das Festival statt, zuvor an anderen Orten, hier nun zum vierten Mal. Nirgendwo kommt man den Autor:innen so nah wie hier. Über drei Tage sind die Gäste aus Afrika und der Diaspora in verschiedenen Veranstaltungen eingebunden. Dazwischen geht es locker im Innenhof zu. Kein snobistischer Literatur Jetset, Literatur ganz nah am Publikum. Dabei hat die Professionalisierung des Festivals zugenommen, es ist annehmlicher geworden, es ist klimatisiert, es gibt ein einheitliches Lichtdesign, alles stimmt. Improvisation, überhitzte Lesesräume, zu viel Veranstaltungen – passé. Unter der Festivalleitung von Stefanie Hirsbrunner ab vor dieser Ausgabe neu, ein Beirat, der mit Edwige Renée Dro, Niq Mhlongo, Kevin Mwachiro, Chiponda Chipelu und Ifeatu Nnaobi besetzt war.

In Other Worlds/Words war das diesjährige Motto des Festivals. Das ABF 25 setzte seinen Focus auf Speculative Fiction und Literatur aus Ghana. Eine genaue Definition von Speculative Fiction ist schwierig, oft wird es als Sub-Genre von Fantasy verwendet, es findet sich aber auch als Sammelbegriff für alle Fiktionen mit bewusst nicht-realistischen Elementen verwendet. Fantasy und Science-Fiction vom afrikanischen Kontinent ist in den dortigen Ländern sehr populär, auch im Westen ist es ein boomendes Genre. In der afrikanischen Literatur ist der Begriff dabei, den vorherrschenden Begriff des AfroFuturismus abzulösen, da sich viele Autoren nicht mehr unter diesem Label ausreichend vertreten fühlen. Der breitere Begriff der Speculative Fiction lässt Themen wie Dekolonialisierung, afrikanische Mystik, Sklaverei, Geschichte, Umwelt aber auch realistische Geschichten des Alltags mit einem spekulativen Universum der Fantasie verbinden ohne dem Zwang der Klassifizierung zu unterliegen. Tomi Adeyemi, Saara El-Arifi, Nnedi Okorafor oder Ivana Akotowaa Ofori wären Beispiele. Letztere war dann nicht zufällig die Kuratorin der diesjährigen Ausgabe des ABF. Ihre Debüt-Novelle Das Jahr der Rückkehr / The Year of the Return verwebt das Trauma der Sklaverei mit Motiven der Fantasy, die Geister der Toten erwachen aus dem Meer. Das ganze spielt während des 400. Jahrestages der ersten Anlandung verschleppter Afrikaner von der afrikanischen Westküste in die USA. Ghana hatte 2019 das Jahr der Rückkehr ausgerufen.

Mit einer Live Performance von Ofori’s The Year of the Return, einem Staged Reading, unter der Leitung von Moses Leo, startete dann auch das Festival. Die Themen Sklaverei in der afrikanischen Literatur und Speculative Fiction waren danach auch Themen in Podiumsdiskussionen. Cheryl Ntumi aus Ghana gehört dem Sauútiverse Collective an, einem wahren Kollektiv von Autor:innen, die an einem festgelegten Kosmos von Storylines, Figuren und Welten arbeiten. In Berlin hat sie nicht nur ihr Buch Black Friday vorgestellt, sie war auch als der Speculative Fiction und Sci-Fi in verschiedenen Formaten zu sehen. Auch der aus Uganda stammende Autor und Filmemacher Dilman Dila hat sich diesem Genre in seinem jüngsten Buch gewidmet: A Fledging Abiba ist eine Coming-of-Age Geschichte mit fantastischen Elementen. Wieder auf dem ABF 25 vertreten war der aus Simbabwe stammende, in Schottland lebende Bestselling- SciFi und Fantasy Autor T.L. Huchu. Diesmal natürlich voll in seinem Element. Denn Speculative Fiction ist sein Heimspiel. Seine Edingburgh Night Series ist auch ins Deutsche übersetzt. Er stellte sein neues Buch The Legacy of Arniston House vor, das den vierten (und letzten?)Band der Edinburgh Serie präsentiert.

Ama Asantewa Diaka (Ghana), Autorin der berauschenden Gedichtsammlung Woman, Eat Me Whole , präsentierte ihre neue Short-Story Sammlung S

Den Erstlingsroman gleich bei einem der renommiertesten deutschsprachigen Verlage zu veröffentlichen: das ist der in Kinshasa geborenen, in Deutschland lebenden Christina Fonthes gelungen. In ihrem autobiografisch angelegten Roman über das Geheimnis der Liebe und den zwiespältigen Erfahrungen in der Diaspora – und das über zwei Generationen hinweg. Christina Fonthes stellte in Berlin diese fesselnde Geschichte dem Publikum vor. Blue Futures, Break Open von Zoë Gadegbeku.

Der Roman spielt hauptsächlich in einem mythologischen Bardo oder Fegefeuer namens Blue Bassin, wo die Seelen versklavter Menschen „außerhalb der Zeit“ Zuflucht finden, während das Schicksal der Welt „innerhalb der Zeit“ auf die Bewohner des Blauen Beckens drückt. Der Großteil der Handlung spielt sich in den Interaktionen mehrerer göttlicher weiblicher Geister ab, die sich mit verabscheuungswürdigen männlichen Partnern, Geburten, Missbrauch und den Geheimnissen der Existenz auseinandersetzen. Neun Jahre sind vergangen, als sich Zoe anfing mit dem Roman zu beschäftigen. Eine lange Reise hat nun ihr Ende. Das Buch der in den USA lebenden Autorin mit ghanaischen Wurzeln, ist erschienen. Zwischenzeitlich äußerte sie Zweifel am Projekt: “Ich bin so gespannt darauf, dass dieses Buch erscheint, weil ich in all den Jahren, in denen ich es vorbereitet habe, immer wieder Beiträge darüber gelesen habe, wie müde die Leute von „noch einer Sklavengeschichte“ sind. Ist es möglich, dass derselbe Grund, warum es zu sehr schmerzt, diese Geschichten zu sehen oder zu lesen – die letztendlich nie an das tatsächliche Grauen herankommen werden, das war und ist -, der Grund ist, warum Künstler immer wieder versuchen, diese Art der Verarbeitung vorzunehmen?”
Eine der renommiertesten Autorinnen des Festivals war nicht mit aktuellem Buch angereist: Ayesha Harruna Attah. Die Autorin von Hundred Dwells of Salaga war dennoch omnipräsent, man konnte sie in verschiedenen Podiumsdiskussionen hören. Wie man mit Magie die Jugend behält oder wie die Wirkung der Sklaverei auf die Literatur und die afrikanischen Gesellschaft immer noch hat. 
Speculative Fiction – war sie schon immer der Bestandteil der afrikanischen Literatur? Sind Märchen und Magischer Realismus auch damit gemeint? Welche Rolle spielt die Folklore als Vehikel für eine wie auch immer geartete Realität? Ivana Akotowaa Ofori hat die Einleitung zum (Pracht)Band Mythen, Götter und Unsterbliche. Eine Kult-Figur in Westafrika und der Karibik gleichermaßen. Anansi ist ein Schöpfergott, aber auch ein Volksheld, eine trickreiche Spinne und ein Symbol des Widerstands. Von seinen Ursprüngen in der westafrikanischen Folklore bis hin zu seinem kultigen Status in der jamaikanischen Kultur ist Anansi ein vielseitiger Unsterblicher, dessen Geschichten die frühe Welt seiner Ursprünge widerspiegeln.

Das African Book Festival ist ein Festival für die Leser:innen, kein akademisches Symposium. Deswegen bleibt die Mixtur aus tiefgründigen Gesprächen, interessanten Neuvorstellungen und auch unterhaltsamen Formaten wie “My next good read”, das beliebte “Literaturquartett” (mit Stefanie Hirsbrunner, Niq Mhlongo, Edwige Renée Dro und T.L. Huchu) oder ein Quiz zur afrikanischen Mythologie mit Helen Nde zur Erfolsrezeptur des Festivals. Eine Neuerung, afrikanische Buchclubs einzuladen, zeigte denn auch, wie Wunsch und Realität an der restriktiven deutschen Visapolitik zerschellt. Auch das war ein Thema beim Festival. Die Riesenauswahl an Afrikanischer Literatur im Foyer tut ihr übriges. Wenn man dann die Autor:innen zum Buch am Stand sichtet, hat man das Gefühl, genau am richtigen Ort gewesen zu sein. Hans Hofele
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When summer is at its peak in Berlin, countless literature enthusiasts flock to the Alte Münze south of Alexanderplatz. Then it’s the African Book Festival again. The festival has been taking place since 2018, previously at other locations and now here for the fourth time. Nowhere else can you get as close to the authors as here. Over three days, guests from Africa and the diaspora are involved in various events. In between, things are relaxed in the inner courtyard. No snobbish literary jet set, literature very close to the audience. The professionalization of the festival has increased, it has become more pleasant, it is air-conditioned, there is a uniform lighting design, everything is just right. Improvisation, overheated reading rooms, too many events – passé. Under the festival management of Stefanie Hirsbrunner from before this edition, a new advisory board was set up, consisting of Edwige Renée Dro, Niq Mhlongo, Kevin Mwachiro, Chiponda Chipelu and Ifeatu Nnaobi.

In Other Worlds/Words was the motto of this year’s festival. ABF 25 focused on speculative fiction and literature from Ghana. A precise definition of speculative fiction is difficult, it is often used as a sub-genre of fantasy, but it is also used as a collective term for all fiction with deliberately non-realistic elements. Fantasy and science fiction from the African continent is very popular in the countries there, and it is also a booming genre in the West. In African literature, the term is in the process of replacing the predominant term AfroFuturism, as many authors no longer feel adequately represented under this label. The broader concept of speculative fiction allows themes such as decolonization, African mysticism, slavery, history, the environment, but also realistic stories of everyday life to be combined with a speculative universe of fantasy without being subject to the constraints of classification. Tomi Adeyemi, Saara El-Arifi, Nnedi Okorafor or Ivana Akotowaa Ofori would be examples. It was no coincidence that the latter was the curator of this year’s edition of the ABF. Her debut novella Das Jahr der Rückkehr / The Year of the Return interweaves the trauma of slavery with fantasy motifs, the spirits of the dead awaken from the sea. The whole thing is set during the 400th anniversary of the first landing of abducted Africans from the west coast of Africa to the USA. Ghana celebrated the Year of the Return in 2019.

The festival kicked off with a live performance of Ofori’s The Year of the Return, a staged reading led by Moses Leo. The topics of slavery in African literature and speculative fiction were also discussed in panel discussions afterwards. Cheryl Ntumi from Ghana is a member of the Sauútiverse Collective, a true collective of authors who work on a fixed cosmos of storylines, characters and worlds. In Berlin, she not only presented her book Black Friday, she was also featured as a speculative fiction and sci-fi author in various formats. Ugandan-born author and filmmaker Dilman Dila has also dedicated himself to this genre in his latest book: A Fledging Abiba is a coming-of-age story with fantastic elements. The bestselling sci-fi and fantasy author T.L. Huchu, who comes from Zimbabwe and lives in Scotland, was once again represented at ABF 25. This time, of course, he was in his element. Speculative fiction is his home turf. His Edingburgh Night Series has also been translated into German. He presented his new book The Legacy of Arniston House, which is the fourth (and final?) volume in the Edinburgh series.





