ive got the power
Wirtschaft/Economy

I’ve got the Power – Mobile Solar- und Bezahltechniken aus Afrika

Ken Banks
kiwanja_uganda_texting_2_Foto: Ken Banks

—–In loser Reihe berichtet cultureafrica.net über erstaunliche Entwicklungen im digitalen Afrika. ——–

von Hans Hofele

In keinem anderen Kontinent hat sich die Zahl der Mobilfunkgeräte so stark entwickelt, wie in Afrika. Das hat auch mit dem Fehlen von Festnetzverbindungen zu tun und im wachsenden Maße mit der Zunahme von mobilen Diensten, die in Afrika sehr verbreitet sind: dem mobilen Bezahlen. In vielen Ländern hat sich diese wichtige Funktion im Alltagsleben etabliert.

Laut dem britischen Marktforschungsinstitut Ovum nutzten 2016 fast 294 Millionen Afrikaner Smartphones, in den vergangenen drei Jahren verdoppelte sich ihre Zahl. Und 2021 sollen es bereits mehr als 900 Millionen sein. Mitte der 2000er-Jahre haben vor allem asiatische Mobilfunkanbieter früh auf das Geschäft in Afrika gesetzt. Sie bauten Mobilfunknetze auf, um das enorme Marktpotenzial abzuschöpfen. Klassische Infrastruktur wie Festnetze oder Breitbandanschlüsse gibt es kaum, stattdessen kommt die mobile Technologie zum Einsatz. In Afrika vertriebene Smartphones sehen zwar aus wie westliche Premium-Modelle, tatsächlich verfügen sie jedoch über weniger Leistung. Stromsparende Modelle vekaufen sich mittlerweile viel besser. Das ermöglicht einen günstigen Preis.

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Fiona Graham
M-PESA mobile money and Equity agent in Nairobi, Kenya

Das Problem

Das Smartphone ist ein einfacher Weg  zum Internet und eröffnet vielen einen Zugang zu Information und Bildung. Aber oft fehlt die Möglichkeit, es aufzuladen. Deswegen erobern in Afrika Modelle den Markt, die eine geringe Bandbreite haben, weniger Rechenleistung brauchen und dadurch die Akkulaufzeit verlängern.

Ein wichtiges Beispiel für die Veränderungen, die Mobiltelefone in afrikanischen Gesellschaften bewirken ist das mobile Bezahlen. Seit 2007 gibt es die Möglichkeit via SMS Geld zu übertragen. Das System ist unkompliziert und zum Modell für viele ähnliche Angebote geworden – weil die klassische Infrastruktur zum Geldtransfer fehlte.

Die Großen und die Kleinen

Der Markt für mobile Dienstleistungen rückt immer mehr in den Focus großer Anbieter. Südafrikas Telekom Riese MTN versucht in vielen Ländern Afrikas Fuß zu fassen. Der Anbieter M-Pesa – benannt nach dem Swahili-Wort für Geld – hat sich als Marktführer in Ostafrika etabliert. Er gehört zu Vodafone und Safaricom in Kenia.  Insbesondere in Kenia läuft die Versorgung durch den Mobilfunkanbieter Vodafone fast flächendeckend.

Das Smartphone also als digitaler Heilsbringer? Mit der Zunahme auf dem Land entstand zugleich ein neues Problem: Viele Handybesitzer müssen häufig mehrere Kilometer zum nächsten Stromanschluss laufen. Das macht sich ein start-up Unternehmen aus Kenia als Geschäftsmodell zunutze.

Start-Up aus Kenia

Kleine Heim-Solarenergie-Anlagen von Anbietern wie M-Kopa aus Kenia sind eine praktikable Lösung. Das Unternehmen aus Nairobi vertreibt in Kenia, Tansania und Uganda Minisolaranlagen, die direkt mit dem passenden Zubehör wie beispielsweise Pufferbatterien, Ladekabel für alle Arten von Handy-Anschlüssen, Akkuradios sowie sparsamen LED-Lampen ausgeliefert werden.

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M-Kopai hat Pionierarbeit geleistet und eine der weltweit fortschrittlichsten Pay-As-You-Go-Plattformen aufgebaut, um Millionen von Menschen in Ostafrika (Kenia und Uganda) am mobilen Leben teilhaben zu lassen. Oder ganz praktisch einfach das Licht bzw. den Fernseher anzuknipsen. Das ist ganz nebenbei, ein gutes Geschäft.

Eine kleine Erfolgsgeschichte

Mit Hilfe von internationalen Venture-Kapital -Gebern konnte das Geschäftsmodell aufgebaut werden. Ein eigenes Ingenieurteam entwickelte viele technische Neuentwicklungen und Patente. Man könnte sagen, maßgeschneidert für den lokalen Markt. Dazu wurde ein leistungsfähiger Kundenservice und Vertrieb aufgebaut, der mit zum Erfolg beigetragen hat. Das schlägt sich in Zahlen nieder: Seit Anfang Januar 2016 hatte M-Kopa über 300. 000 Haushalte in Ostafrika an Solarstrom angeschlossen. 2016 verkaufte M-Kopa 30. 000 Solarfernseher in Kenia. Bis Dezember 2016 verkaufte das Unternehmen rund 400. 000 Systeme in Kenia, Tansania und Uganda. Ab 2016 gab es Pläne, alle Produkte in Kenia herzustellen. Darüber hinaus expandierte das Unternehmen nach Nigeria, wo ein bevölkerungsreiches Land nach dieser Technik verlangt.

Bis Januar 2018 hatte das Unternehmen schon  500. 000 Häuser verkabelt und rund 90. 000 Solar-Fernseher verkauft.

 

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Safaricom PLC, M-KOPA TV Launch

Mit zusätzlichem Kapital soll das Geschäft weiter expandieren.

Z.B. Simbabwe

Erfolgsmeldungen aus Simbabwe sind rar geworden. Diese ist eine: Der mobile Zahlungsdienstleister „ecocash“ aus der Hauptstadt Harare ist dort seit 2011 erfolgreich am Markt. Fast sieben Millionen Menschen nutzen dort die Dienstleistung. Neben mobilen Zahlungsdienstleistungen organisiert der Ableger auch Mikrofinanzierungen, Agrarberatung und Ausrüstung. Den Traktor mieten per Handy, alles möglich.

Dass ecocash eine Erfolgsgeschichte werden konnte, hat auch mit der in Simbabwe vorherrschenden Hyperinflation infolge der Wirtschaftspolitik zu tun. Es gibt schlichtweg nicht genug Bargeld im Land, um Rechnungen zu begleichen oder einfach an der Tankstelle zu bezahlen. Auch der private Geldfluss aus dem Ausland wird mit mobilen Bezahlsystemen einfacher. Direkt auf das mobile Bezahlsystem überwiesen, macht es auch Girokonten überflüssig. Von fehlenden Geldautomaten und Bankfilialen war noch nicht die Rede. Eine praktische Lösung also aber nicht immer so ganz leistungsfähig: kein Handyempfang kann auch heißen: Einkauf gecancelled, Taxifahrt nicht bezahlbar.

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