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Spot on: Libreville – Metropole Gabuns

 

“Libreville ist ein Chamäleon. Jeder x-beliebige Tourist, der die Stadt von der Seeseite betrachtet, würde ihr den Reiz einer modernen Stadt mit Bauten aus Glas und Marmor abgewinnen. Aber das ist nur der Baum, der den Wald bedeckt. Hinter der glänzenden Fassade erstrecken sich Wohnsiedlungen unterschiedlichster Art und sumpfige, mit Ratten und Moskitos verseuchte Bidonvilles. ” Janis Otsiemi, Libreville, Polar Verlag

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“Gabon2008(33)” by henri_hovi is licensed under CC BY-NC-SA 2.0.

Hauptstadt von Gabun

Die Stadt von Autor Janis Otsiemi hat viele Gesichter. Das freundlichste ist sicherlich das, welches vom Meer her kommt. Auf der Halbinsel am Golf von Guinea gelegen, liegen hier auch eine der schönsten Strände Westafrikas. Ja, es ist eine tropische Stadt. Flirrende Hitze und Schwüle herrschen vor. Nicht ganz einfach für Europäer, sich sofort wohl zu fühlen. Natürlich ist es ein Privileg, in Libreville vornehm zu residieren. Es gibt unglaublich schöne Hotels und Restaurants im französichen Stil. Und es auch das von Otsiemi beschriebene hässliche Gesicht der Stadt. Eine Stadt, die zu schnell zu groß geworden ist. heute sind es immerhin über 700 000 Einwohner.

Fashion icon in Libreville
License: CC BY-SA 4.0
File:Fashion icon in Libreville by Vinod Narbar

Libreville ist heute eine Metropole, die Hauptstadt von Gabun. Groß war die Stadt nicht immer. Jahrzehntelang döste Libreville mit wenigen tausend Einwohnern ein provinzielles Schäfchen am immer heißen Äquator.

Koloniales Erbe

Die Stadt an der Mündung des Mbé war Ausgangspunkt französischer Kolonialbesitzung ab 1839. Es waren befreite Sklaven, die 1849 aus Brasilien ins damals französische Äquatorialafrika zurück kamen. Sie verliehen der Stadt ihren Namen. Doch sie kamen nicht in ein wirklich freies Land. Gabun wurde, wie fast alle Teile Afrikas von Kolonialmächten besetzt und ausgebeutet.

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In Gabuns Fall von Frankreich. Richtig frei wurde das Land und damit die Stadt durch die Unabhängigkeit von Frankreich erst im Jahr 1960. Doch es folgte eine autokratische Herrschaft von Omar Bongo bis ins Jahr 2009. Zuvor wandelte sich das eher ländlich geprägte, von Kriegen verschonte Land ab Mitte der 1970er Jahre in ein Boomland. Erdöl und andere Bodenschätze, wie Mangan und Eisenerz, aber auch edle Hölzer, nicht nur legal, ließen auch die Wirtschaft und damit auch Libreville wachsen. Doch der Reichtum kommt selten unten an. Deutlich sichtbar in der Infrastruktur der Hauptstadt. Entfernt man sich von den Hauptstraßen, ist gleich das Manko der fehlenden Investitionen sichtbar. Schlechte Strassen, fehlende Abwasserleitungen, haarstäubende Elektroverbindungen. Dann wieder Hochglanzgebäude. So bleibt ein Mix aus Glitzer, Glammer und Schmutz.

Was gibts zu sehen?

Präsidiale Bauwerke

Es gibt einige interessante Bauwerke in der Stadt. Eine große Moschee, viele interessante Kirchen, das Nationalmuseum, das Denkmal für den ehemaligen Präsidenten. Das relativ neue Fussballstadion, das zur Afrikameisterschaft 2007 gebaut wurde. Der Hauptstadt geschuldet sind da allen voran der Präsidentenpalast und der Sitz der Regierung. Beide sind nicht gerade gelungene Beispiele für einheimische Architektur. Der Präsidentenpalast ist schon monströse. Er darf übrigens nicht fotografiert werden. Der Senatspalast soll ebenfalls durch Größe beeindrucken. Immerhin eine ausgeglichene, modernistische Architektur. Dies findet sich im Bereich Le Plateau, das ähnlich des Viertels La Défense in Paris, die monumentalen Gebäude der Stadt konzentriert. Vom Reichtum der Bodenschätze Gabuns kündet die Verwaltung der Immeuble Gabon Mining Logistics (links unten im Bild). Ein Gebäude, das genauso gut in München oder Frankfurt stehen könnte. Abzüglich der Palmen.

 

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Immeuble Gabon Mining Logistics by Delrick Tevor License: CC BY-SA 4.0

Palais Omar Bongo Ondimba by carlosoliveirareis is licensed under CC BY NC SA 2.0 jpg

Im afrikanischen Stil ist das “Amphitheatre” der Uni Omar Bongo angelegt (unten). Das ist eher typisch für Gabun. Viele Kirchen sind so gestaltet.

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Amphitéatre_NGUEMBI_MBINA_de_l’université_Omar_BONGO, by Boulendeblaise, CC BY-SA 3.0
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by henri hovi_License: 2.0 Generic (CC BY-NC-SA 2.0)

Praktisch ist dieses Gebäude für die stattfindenden Militärparaden.

Seit 2009 wird das Land in Nachfolge des Vaters Omar Bongo von seinem Sohn Ali-Ben Bongo Ondimba autokratisch regiert. Das Militär spielt eine große Rolle im Land. Kein Präsident kann dagegen regieren, nur mit. Den Großteil des Jahres steht die Tribüne ungenutzt herum. Aber irgendwie auch immer wieder als blasse Drohung. In Verruf geraten ist die Präsidentenfamilie durch unklare
Besitzungen im Ausland. Die Umleitung von Geld für Ölbohrlizenzen steht im Raum.

 

Auch die nicht ganz transparente Wahl von 2009 wirft einen Schatten auf die Regierung von Ali Ben Bongo.

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“Church of Notre-Dame de Lourdes” by D-Stanley is licensed under CC BY 2.0

Kirchen und Museen

Die Cathedrale Notre Dame des Lourdes erinnert an eine portugiesische Kirche. Und tatsächlich sind die Aussenkacheln aus Portugal importiert.

Musée National Libreville

photo by David Stanley, flickr, license: 2.0 Generic (CC BY 2.0)

Im Nationalmuseum befindet sich auch ein sehenswerter Botanischer Garten. Viele Devotionalien aus der Zeit der Unabhängigkeisbewegung um 1960. Aber auch die Präsidenlimousine von Omar Bongo. Zahlreiche Exponate aus der vorkolonalen Zeit zeigen Masken, Figuren, Kunst, Schmuck, häusliche Situationen. Sehenswert. Kulturelle Aktivitäten finden sich das ganze Jahr über im Institut Français mit seinem reichen Programm. Es gibt sogar eine Buchmesse und Modenschauen finden statt.

Unbedingt sehenswert ist der Markt Marché de Nkembo. Ein typisch westafrikanischer Markt, der viele einheimische Gemüse und Obstsorten bereithält. Wie immer, etwas gewöhnungsbedürftig für europäische Nasen und Augen. Aber deswegen ist man ja auch hier.

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Marché de Nkembo, Libreville, Barada-nikto

Ausgehen in Libreville

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Attribution-Foto by Hugues, NonCommercial-License: 2.0 Generic (CC BY-NC-SA 2.0)

Bars, Restaurants, Nightclubs, Clubs und Casino. Gepflegt ausgehen geht in Libreville. Rustikal essen sicher auch. Denn, wer es sich traut, findet viele kleine Restaurants mit afrikanischen Spezialitäten. Ins Chez Marie Qui Fait Chaud geht man schon wegen des Namens. Hier gibts günstige Gerichte wie gegrillte Garnelen. Das Drumherum ist eher basic. An der Küste liegen einige gute Restaurants, wie das Papillon Rouge Im gehobenen Bereich dominieren die französischen Restaurants mit gehobener Preisstruktur. Das Wapety mit Hotel und Bar wäre zu empfehlen, auch das L`Odika, das die tripadvisor Rangliste für Libreville anführt. Als Clubs führen das No Stress (nomen est omen) und der über Libreville hinaus bekannte Club Le Hype die Rangliste an. Dort legen bekannte DJs aus Afrika auf.

Libreville als Ausgangspunkt

Von Libreville starten viele Tages- und Mehrtagestouren in die Umgebung. Die zu entdecken und zu beschreiben ist ein eigenes Kapitel. Viele Naturschönheiten können besichtigt werden. Die am nächsten liegendste ist der Arkanda National Park gleich ums Eck und der auf der gegenüber liegenden Halbinsel liegende Pointe Denise. Dort finden sich eine der schönsten Strände Westafrikas (siehe Bild unten). Berühmt ist ein Ausflugsort, der sich Lambaréne nennt und als Wirkungsort Albert Schweitzers fungierte. Dort steht auch heute noch ein von ihm gebautes Lazaretthaus. Das ganze ist als Freilichtmuseum angelegt. Tagestouren führen dorthin. Von Libreville startet auch die längste Eisenbahnstrecke Gabuns, die Trans Gabonais ins weit entfernte Franceville im Südosten Gabuns. Sie erschließt das Land, das dorthin seine grünen Schätze ausbreitet. Dschungel, Nationalparks, Flora, Fauna vom feinsten. Weitgehend unbekannt in Deutschland.

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Foto: santa clara by hugues/flickr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hans Hofele, M. A., studierte Theater/Filmwissenschaften, Politik und Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum. Er arbeitet beim Öffentlich Rechtlichen Rundfunk in Frankfurt am Main.

Ein Kommentar

  • TarekILno

    Danke für den Tipp. War zwar schon oft in Afrika, aber gabun hatte ich nicht auf dem Schirm. Nach Corona wäre das doch mal ein schönes Fernziel. Den entsprechenden Krimi gibts ja schon dazu:)

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